MUSIKTHERAPIE UND „WACHKOMA“

Minimally conscious state, vegetative state, apallisches Syndrom, Zustand reaktionsloser Wachheit… das alles fassen wir im Volksmund gerne unter dem Begriff „Wachkoma“ zusammen. Doch herrscht um diesen Begriff auch nach Jahrzehnten noch eine große Unsicherheit. Die Begrifflichkeiten in diesem Bereich sind nach wie vor nicht eindeutig definiert.

 

Wir reduzieren Menschen im Wachkoma auf ihr Äußerliches – weil sie sich nicht mehr mitteilen können, sprechen wir ihnen menschliche Qualitäten wie Wahrnehmung, Erleben und Bewusstsein ab.

 

Für mich persönlich stehen nicht die Defizite des Menschen im Vordergrund, sondern ich versuche mich auf die Ressourcen zu konzentrieren und diese zu nutzen.

 

Das können ganz banale Dinge sein – wie eine selbstständige Atmung, das Bewegen der Augenlider, Kau-Bewegungen, minimalistische Bewegungen der Finger oder Hände etc.

Musiktherapie und Wachkoma

In einer Einzelsitzung können verschiedene Arbeitsformen angewandt werden. Hier einige Beispiele:

  • Ein Instrument (z.B. eine umgestimmte Gitarre) wird auf den Körper des Betroffenen gelegt und in dessen Atemrhythmus gespielt; die Vibrationen dringen durch die Körperregionen (Förderung der Körperwahrnehmung); ebenso können die Vibrationen festsitzendes Sekret lösen, wodurch dem Klienten ein leichteres Abhusten ermöglicht wird (Pneumonie-Prophylaxe); außerdem wird es dem Klienten ermöglicht, über den Atemrhythmus eine Kommunikation aufzubauen (Beispiel: eine 3-jährige Klientin von mir hatte offenbar realisiert, dass ich in ihrem Atemrhythmus spielte; daraufhin hielt sie die Luft für einige Sekunden an, wodurch die Musik ebenfalls kurz verstummte; auf ihr Ausatmen und den Wiedereinsatz der Musik folgte ein Lächeln ihrerseits)
  • Das Spielen im Atemrhythmus kann eine Stabilisierung der Atemfrequenz und des Herzschlags mit sich bringen. Dazu kann auf verschiedenen Instrumenten improvisiert werden; Naturklänge wie die von der „Ocean Drum“ oder des „Rainmakers“ setze ich gerne ein, da sie grundsätzlich eine beruhigende Wirkung haben (Menschen mit beeinträchtigter Wahrnehmung können schnell einer Reizüberflutung ausgesetzt sein), aber auch eine Improvisation auf dem Klavier ist möglich
  • Die Lieblingsmusik kann dem Klienten vorgespielt werden – ob von einer CD oder direkt live mit Gitarren- oder Klavierbegleitung
  • Klangwiege: die Klangwiege ist ein besonderes Instrument; eine Art Liege, auf die der Klient mithilfe eines Lifters (und Unterstützung meiner Therapeutinnen-Kollegen) gelegt wird. An beiden Seiten der Klangwiege sind Saiten gespannt (beispielsweise eine Seite komplett auf G, die andere Seite komplett auf C gestimmt); werden die Saiten angespielt, wird der Klient in eine Art Klangteppich eingehüllt, die Vibrationen durchdringen den ganzen Körper und es entstehen sogenannte Obertöne