MUSIK UND „WACHKOMA“

"Wachkoma" ist ein mittlerweile veralteter Begriff, der im Deutschen Sprachgebraucht jedoch immer noch gebräuchlich ist. Unter diesem Begriff können sich die meisten Menschen eher das Krankheitsbild, das auf ein Koma folgt, vorstellen als unter den Begriffen 'minimally conscious state' (MCS) oder 'unresponsive wakefulness syndrome' (UWS).

Letztgenannte sind die aktuell geltenden Bezeichnungen für dieses Krankheitsbild - das 'Syndrom reaktionsloser Wachheit' und der 'Zustand minimalen Bewusststeins'.

 

Im 'Syndrom reaktionsloser Wachheit' sind die Augen des Betroffenen phasenweise geöffnet - was einen der  Unterschiede zum Koma ausmacht. Außerdem ist eine sogenannte Spontanatmung vorhanden, Reflexe sind erhalten.

 

Der 'Zustand minimalen Bewusstseins' hat ebenfalls die Merkmale eines Tag-Nacht-Rhythmusses, der Spontanatmung und erhaltener Reflexe. Hinzu kommt die Eigenschaft, dass Betroffene in der Lage sind Emotionen (non-verbal) zu äußern. Je nach Schwere des Zustands kann der Betroffene zielgerichtete Bewegungen durchführen.

 

Beide Krankheitsbilder haben gemeinsam, dass eine gegenseitige funktionelle Kommunikation nicht stattfinden kann.

 

Die Zahl der Menschen mit einer solch langfristigen Bewusstseinsbeeinträchtigung steigt jedes Jahr. Es gibt drei unterschiedliche Ursachen für dieses Krankheitsbild:

a) traumatisch = Beschädigung der Schädelknochens & des Gehirns (durch externe Gewalt)

b) hypoxisch = Sauerstoffunterversorgung (z.B. durch Reanimation)

c) ischämisch = unzureichende Durchblutung im Gehirn (z.B. als Folge eines Unfalls oder Gehirnblutung)

Musiktherapie und Wachkoma

Die Rate der Fehldiagnosen bei Menschen mit diesem Krankheitsbild liegt immer noch bei 30-40%.

Da der Zustand des Betroffenen starkt abhängig ist von der Art der Hirnverletzung und der beschädigten Hirnareale, sind die Reaktionen auf Musik sehr individuell. In meiner Master-Abschlussstudie konnte eine deutliche Wirkung von Musik auf Menschen im 'Wachkoma' in Form von Entspannungsreaktionen beobachtet werden. Die Reaktionen wurden deutlicher, als Körperkontakt mit dem Instrument bestand. Dies äußerte sich vor allem in der Atmung: Atemzüge wurden tiefer, die Atmung wurde gleichmäßiger, Atempausen verkürzten sich.

 

Die eingesetzten Arbeitsweisen sind so individuell wie die Reaktionen der Betroffenen darauf. Sollten Sie Fragen zu diesem Thema haben, schreiben Sie mich gerne an.

 

Hervorheben möchte ich hier auch den Förderverein Musiktherapie für Menschen im Wachkoma e.V.